Der Bericht unseres Präsidenten Ruedi Baer:

Liebe Freunde,

Mit einer riesigen Freude darf ich Euch mitteilen, dass wir in Tallinn den Silletto-Preis gewonnen haben. Dies ist die höchste Auszeichnung, die ein Museum in Europa für „Verdienste mit Freiwilligenarbeit und für die Gemeinschaft“ erhalten kann.

Der Weg zu diesem Preis war nicht einfach. Nachdem Wolfgang Meighörner, der Direktor der Tiroler Landesmuseen, mich ermuntert hatte, uns zu melden, begann ich, mich für diesen Wettbewerb zu interessieren. Eine Bewerbung mit über 70 Seiten folgte. Das EMF (European Museum Forum), als Schirmherrin des EMYA, akzeptierte die Bewerbung, und ab dann ging es Schritt für Schritt weiter. Zuerst waren es mehrere hundert Museen, dann vielleicht noch hundert, welche im Laufe 2013 genauer angeschaut wurden, inkl. Inspektion durch ein Jury-Mitglied, dann erhielten wir die freudige Botschaft, zu den Finalisten zu gehören.

Mit einer guten Portion Selbstbewusstsein reisten meine Frau und ich, begleitet von einer Supportergruppe, nach Tallinn. Hier, im tollen Kumu-Museum, stellten sich alle Museen vor. Ich war tief beindruckt von der Qualität der Präsentationen, aber auch von der inhaltlichen Qualität. Unglaubliche Leistungen schienen da auf. Ich sah unsere Felle total davon schwimmen. Ich dachte sogar, dass es eine gehörige Portion an Selbstüberschätzung war, hier überhaupt mitmachen und mithalten zu wollen.

Meine Präsentation des Saurer Museums lief gut, man spürte grosse Sympathie bei den Kolleginnen und Kollegen der anderen Museen von Nordschweden bis Portugal.

Dann kam der Samstag-Abend. Tolles Ambiente im Nationalmuseum, einem Palast, der für den Zaren gebaut worden war. Tolles Programm, hohes Niveau, Ansprachen unter anderem vom estnischen Ministerpräsidenten. Dann die Preisverleihung. Zuerst der Preis des Europarates, der ging an ein tolles Museum in Anatolien. Der Kenneth Hudson Award an ein Museum in Riga, das eine unglaubliche Geschichte eines Paares erzählt, welche im 2. Weltkrieg vielen Juden das Leben gerettet hat. Erbaut wurde das Museum von ganz wenigen Leuten, die ein ganz tolles, kleines, sehr berührendes Museum aufgebaut haben. Dann einige „Commendations“ für Museen, die spezielles leisten. Da hatte ich meine Hoffnungen, vielleicht eine Commendation for „Excellence in volunteer work“. Aber nein, schade war‘s, aber schön trotzdem, dachte ich. Dann die zwei grossen Preise, und dazu gehört der Silletto-Preis. Zuerst eine Laudatio, da hoffte ich bei den ersten Sätzen, dass wir gemeint sind. Dann kam aber so unglaubliches Lob, dass ich zu meiner Frau flüsterte „jetzt ist es vorbei, das sind nicht wir..“ Jetzt öffnet die Jury-Präsidentin das Couvert und liest „SAURER MUSEUM ARBON“. Hunderte von Leuten jubeln mit uns, ich bin total erschlagen. Soviel Freude, bei allen Mitbewerbern, bei der Jury, bei den Ehrengästen.

Hauptpreis (Ehre wem Ehre gebührt) für den Initianten, Realisator und Betreiber des „Museum of Innocence“ in Istanbul, Nobelpreisträger Orhan Pamuk.

Ich kann es auch heute noch kaum fassen, dass wir die Ausgezeichneten sind. Eine grossartige Sache. Ich schicke mit diesem Mail auch noch ein Bild der Urkunde, damit Ihr selber lesen könnt, was für die Jury so wichtig war.

Natürlich, für uns steht an oberster Stelle immer noch die Sammlung, die Maschinen, das Museum. Aber Sammlungen haben alle, viel grössere, viel töllere, und viel schönere Museen. Aber unser Herzblut, unser Engagement, das hat die Jury überzeugt.

Und anschliessend ein Meer von Gratulanten, sogar um Autogramme wurde ich gebeten, dann die Meldung, dass wir kurz nach Schluss der Feier bereits in dutzenden, ja hundert Online-Medien waren, einfach unglaublich. Viel verdanke ich Susann Bosshard, der Schweizer Delegierten im emf, dem European Museums Forum, unter dessen Schirmherrschaft der EMYA abläuft. Sie hat mich unterstützt bei der Bewerbung, hat mir den nötigen Schub gegeben, hat uns in Tallinn ständig begleitet, und sie hat die Pressearbeit gemacht, zu der ich sowohl wissensmässig als auch emotional in diesen unglaublichen Stunden des sich Freuens gar nicht in der Lage gewesen wäre.

Ach, ich kann nicht aufhören, bin immer noch sehr bewegt.

Vielen Dank Euch allen für das Interesse.

Ruedi

Bildnachweis:

  1. Preisübergabe: offizielles Presse-Bild von Liina Guiter von Tallinn. Es zeigt (vlnr) Wim de Vos, Jury Präsident, Goranka Horjan, Chair of EMF (European Museum Forum) , Sirje Helme, Gastgeberin, Generaldirektorin der Kunstmuseen von Estland, Preisträger Ruedi Baer, Saurer Museum Arbon, Susann Bosshard, Schweizerische Delegierte im EMF, und David Vuillaume, Präsident Museumsverband Schweiz (VMS)
  2. Amateurhaftes Bild von der Urkunde.

SAURER MUSEUM ARBON

Dr. Rudolf Baer

Tutilostrasse 57,

9011 St.Gallen

http://www.saurermuseum.ch